Zu Beginn möchte ich ein paar Erinnerungen loswerden. Wann begann die Reise zu den Pflanzen oder sollte ich besser sagen „mit den Pflanzen“? In der Familie sagt die 92-jährige Tante bei jedem Treffen stolz, mit einem pikierten Blick auf meine Cousine gerichtet, dass ich mit dreieinhalb Jahren meinen ersten 3.000er bestiegen habe. Es bedurfte allerdings einiger geschickter Ablenkungsmanöver, um mich bei Laune zu halten.
Hier sehe ich den Ursprung, denn das Bergsteigen habe ich sicherlich nicht erfunden. Wir bestimmten bereits damals auf den schweißtreibenden Wanderungen fleißig Pflanzen am Wegesrand. Die Blüten, die uns unbekannt und nicht geschützt waren, wurden in ein Bestimmungsbuch gepackt und daheim studiert. Die Reise fand vermutlich ihren Anfangspunkt in den 70er Jahren.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass meine Cousinen mich in die Geheimnisse der Löwenzahn-Küche einweihten. Auf dem Bauernhof meiner Großeltern spielten wir Kinder zwischen Kuhstall und bunten Weiden. Nur Großmutters Bauerngarten war tabu. Als Stadtkind aus dem Westen (eine Preußin, sobald man nördlich von München wohnte...) musste ich erst an die ungefährliche Natur gewöhnt werden und hatte große Sorge an den Blättern des Löwenzahns und den Blüten der Gänseblümchen ernsthaft zu erkranken. Die Zutaten wurden selbstredend nicht gewaschen oder auf kleine Tiere kontrolliert.
Nach der Heuernte kletterte der Onkel auf die Linde und zupfte kräftig. Wir anderen sammelten die Lindenblüten für den Tee, um hernach die Ware zum Trocknen auf Tücher auszulegen.
Meine Mutter war durch die Entbehrungen der Nachkriegszeit stolz auf jeden kommerziell gekauften Artikel. "Creme 21" und "Nivea" wurden im hell erleuchteten Einkaufszentrum erworben. Sie freute sich über Bananen, Weincreme aus der Tüte und Haribo. So blieben meine Naturerlebnisse auf vier Wochen Sommerferien in den Bergen beschränkt. Zwar besaß meine Mutter einen tief verborgenen Wissensschatz, doch konnten wir uns nun „Besseres“ leisten... Alte Hausmittel wurden höchstens zum Entfernen von Flecken benutzt.
Eine lange Unterbrechung nahm viel Raum ein. Es folgten die Schulzeit, die Ausbildung und schließlich eine Karriere als Projektleiterin und stellvertretende Druckereileiterin mit Verantwortung von bis zu 180 MitarbeiterInnen.
Mein Lebensgefährte Manfred Rüben wagte 2015 als ehemaliger Leiter der Logistik und Offsetdruck-Spezialist den Sprung in die Selbständigkeit als Tierheilpraktiker. Zuerst nur als Hobby gedacht, wurden die Naturheilpraxis für Tiere und der Ernährungsberater für Tiere seine Passion.
Um meiner Verwunderung Ausdruck zu verleihen, hinterfragte auch ich mich.
So besuchte ich im August 2015 einen Talentkompass. Mit folgendem Ergebnis:
Ich bekleidete genau den Job, der mir am meisten umzusetzen lag: Mit Organisationstalent, Ordnung, Struktur, Verbindlichkeit, Arbeit im Team und mit Menschen. ABER: Meine Kreativität und Gestaltungsgabe kämen zu kurz; ich müsste meinen Arbeitsort nach draußen in die Natur verlegen! Das gab reichlich Stoff zum Nachdenken.
Zum Spaß und Zeitvertreib habe ich gemeinsam mit meinem Lebensgefährten im Januar 2016 den Sachkundenachweis für Arzneimittelrecht bei der IHK abgelegt. Alte Erinnerungen wurden geweckt und die Reise konnte fortgesetzt werden. Auch meinem Ergebnis des Talentkompasses wollte ich Aufmerksamkeit zollen.
Bei der Internet-Recherche um weiteres Pflanzenwissen bin ich auf die Gundermannschule gestoßen.
In Wochenendseminaren konnte ich 2017 eine zertifizierte Ausbildung zur Kräuterpädagogin ablegen. Mir fehlte jedoch die praktische Anwendung, denn der Job ließ wenig Freiraum zu. Dennoch war der Wissensdurst nicht gestillt und ich habe mir meine Inseln in weiteren Seminaren und Ausbildungen erarbeitet.
2018 durfte ich Mia Hoffmann in der Südeifel kennenlernen. Ich festigte mein Wissen durch eine zertifizierte Heilpflanzenfortbildung.
Weitere Kurse folgten bei Viriditas in Eupen. Spannende Themen, wie die Verwendung ätherischer Öle, Aromatherapie, Gemmotherapie, Haargesundheit und Hausmittel für Vierbeiner ließen mich nicht mehr los.
Während der letzten Jahre wunderte ich mich, dass immer mehr Menschen an meiner Seite in Veränderungsprozessen steckten.
Zum Beispiel wurde meine ehemalige Mitarbeiterin und mittlerweile gute Naturfreundin Baumwart und Imkerin. Ihr Honig, Propolis und Bienenwachs sind unübertroffen. Ihr Wissen über Pflanzen begeistert mich auf jedem Spaziergang. Ihre gesiedeten Seifen für Haut und Haar waren fantastisch; sie überzeugten. Erstmalig machte ich Erfahrung mit ihren Ölen für die Haut.
Eine weitere Freundin legte neben ihrer Vollzeit-Management-Assistenzstelle eine vierjährige Ausbildung zur Yogalehrerin ab und kaufte ihre Produkte nur noch aus nachhaltigen, regionalen Quellen. Kräuterapotheken frequentierte sie regelmäßig für den täglichen Bedarf.
Eine griechische Freundin sammelte ihre Kräuter gegen jedes Zipperlein in den umliegenden Wäldern. Sie besaß ein Pub in London. Als Lebenskünstlerin verschlug es sie vor vielen Jahren auf das griechische Festland. In diversen Videotreffen und Emails teilten wir unser Wissen inklusive unserer Quellen.
Meine Yoga-Freundin war Molekularbiologin. Aufgrund meiner Empfehlung buchte sie mit ihrem Mann Urlaub im Passeiertal in Südtirol. Einfach nur mal die Seele baumeln lassen. Dabei blieb es nicht. Sie verbrachte drei Wochen in einem Berghotel mit regionaler Bio-Küche, ganztägigen Kräuterwanderungen und ausgiebig vermitteltem Wissen inklusive Seminareinheiten auf saftigen Almwiesen. Sie wurde infiziert.
Meine längste Freundin verausgabte sich als Unternehmensberaterin für Printmedien. Angefangen hatte ihr Trip damals, als sie sich in der Sauna Honig auf die Haut schmierte, wobei ich die Nase rümpfte. Neben Yoga, meditierte sie in jüngster Vergangenheit. Ihre Reise ging bis zur Teilnahme an schamanischen Ritualen. Sie ergründete ihre Spiritualität und feinstoffliche Energie, widmete sich einer gesunden Ernährung. Sie hinterfragte sehr einfühlsam, nicht weniger zielstrebig ihren eigenen Lebensweg.
Die Liste nahm mit der liebenswerten Keti kein Ende. Aus Georgien stammend und viele Jahre in der Türkei lebend, verbrachte sie viel Zeit mit mir in Deutschland. Ich genoß die multikulturelle, frische Küche, die gemeinsamen Spaziergänge im Wald. Mit den traditionellen Einflüssen der russischen, georgischen und türkischen Kultur sammelten wir gemeinsam Brennnessel und Vogelmiere. Wir dichteten, philosophierten über die Welt. Wir entdeckten unsere Seelenverwandtschaft zwischen Orient und Okzident.
2021 konnte ich ein weiteres Wissensfeld rund um die Hautgesundheit erkunden. Ich schloss eine Ausbildung zur dipl. GRÜNE KOSMETIK Pädagogin (AT) ab. Des Weiteren lernte ich in online-Kursen Adelheid Brunner kennen. Neben ihrem großartigen Pflanzenwissen und ihrem feinstofflichen Gespür, schätze ich ihre spirituelle Sichtweise.
Der Kurzlehrgang "Der Weg der Priesterinnen und Erdenhüter" führte mich zu vielerlei "Altem Wissen" durch den Verlauf des Jahreskreises.
Mittlerweile unterstütze ich meinen Lebensgefährten in der Praxis durch die Übernahme aller administrativer Tätigkeiten. Ich widme mich mehr und mehr der Natur. Bei Fragen zur Wirkungsweise von Pflanzen biete ich meine Unterstützung an. Bei Hauterkrankungen von Hunden und Katzen gebe ich Ratschläge.
Ich spürte, wie die Reise mich über diesen Weg weiterführen würde.
Industriell ergebnisorientiert geprägt, konnte ich auf meine eigene biografische Frage:
endlich antworten: „Ja, zu Beginn mit angezogener Handbremse, nun immer schneller und unaufhaltsam!“
2023 "Naturpädagogik in der Stadt" bei Wohllebens Waldakademie
2022 "Naturpädagogik mit Kindern" bei Wohllebens Waldakademie
2022 "Bäume bestimmen" und "Mein Naturgarten" bei Wohllebens Waldakademie
2021 Zertifizierung dipl. GRÜNE KOSMETIK-Pädagogin (AT)
2021 Kurzlehrgang „Der Weg der Priesterinnen und Erdenhüter“
2019 diverse Fortbildungen „Heilpflanzenwissen Viriditas Eupen
2018 Heilpflanzenfortbildung mit Abschluss
2017 Zertifizierung zur Kräuterpädagogin
2016 Sachkundenachweis Arzneimittelrecht
2015 Matrix-Tierheiler-Ausbildung